Dritter Teil der Schriftenreihe von Mitgliedern der CHURCH of FEAR

COF-Mitglieder schreiben...

In loser Reihenfolge erscheinen ab sofort Beiträge, die Mitglieder der CHURCH OF FEAR für sich, für andere Mitglieder und die vereinigte Kirche der Angst verfaßt haben. Heute:

Es lebe die Angst! - Ein Kommentar von Christian Mayr

Die Gefahr lauert überall. Angst, von Hochhäusern getroffen zu werden. Angst vor allem Großen, vorm Stürzen, vor dem ersten Schritt. Und auch dem zweiten.

Überhaupt Angst. Angst, lebendig ermordet zu werden. Angst, tod gelebt zu werden. Angst, alles ist so, wie es scheint. Und auch Angst davor, alles ist ganz anders. Angst vor der Erkenntnis, und Angst vor der Dummheit. Angst als einziger konstanter, als einziger lebendiger Faktor in meinem Tod, der seit meiner Geburt andauert.

Also: Ablenkung. Ablenkung von der Angst, das Unterbewusstsein ins Koma saufen. Konsumieren. Vor dem Fernseher einschlafen.

Sie sehen, das funktioniert alles nicht, irgendwann hat man auch die letzte Gehirnzelle getötet und die letzte Taxi Orange-Staffel geschaut, und wir fürchten uns immer noch. Das heisst ich fürchte mich.
Fürchten Sie sich auch? Haben Sie auch Angst? Zum Beispiel vor einem schlechten Abend? Also das kann ich verstehen.

Aber zürück zum Thema - ich hab ja schon Angst vor der Angst. Und was die aufisst, ist mir ziemlich egal. Solang es nichts intimes ist. Aber eigentlich ist ja auch schon dieser Bereich des Lebens von Ängsten durchzogen, wie kleine Faeden, wenn sie verstehen was ich meine. Leistungsdruck, Anpas-sungsprobleme, kein Ausleben der Fantasien oder Angst vor Zurückweisung.

Und die ganze Desinformationsflut.

Ich will mal einen Tag ohne falsche Information durch's Leben gehen. Kein Fernseher, keine Tages-zeitung, keine Mittagsgespräche...einfach nur informelle Ruhe. Leben ohne Denken, ohne zu werten, damit auch ohne Fehlinformationen. Ohne Übertreibungen, Aufhetzungen, billige Maschen, permanente Sonderangebote, "interessante" Wahlplakate. Wer, wenn nicht ich, kann das ändern?

Aber ich schätze, dafür bin ich dann doch zu feige. Darum: Es lebe die Angst, meine Brüder!


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